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about 14 hours ago.
Tuesday, 07. December 2010 17:24
Zu wenige Hüte

An der Herren-WM ist die Vorrunde fast vorüber. Der Floorballstar-Korrespondet kämpft sich durch den finnischen Schnee und wartet mit dem zweiten subjektiven Bericht aus Helsinki auf:

Vier Tage WM sind bereits Geschichte und so langsam werden die Spiele interessanter. Der wohl einzige spannende Match der Spitzenteams war Norwegen – Tschechien. Nicht viel fehlte und Norwegen hätte die Tschechen noch geschlagen. Tschechien wäre dann bereits im Viertelfinal auf Schweden getroffen. Dem von Tomas Trnavsky gecoachten Team scheint genau das zu fehlen, wessen sich der Coach kurz vor der WM entledigte: Ein Leader. Sei es nun in der Gestalt von Cepek, oder einer anderen Person. Captain Milan Fridrich wird als gut aber zu lieb betitelt. Die Tschechen zeigten keine Grösse, sie schnauzten sich phasenweise auf der Bank gegenseitig an. Ohne Norwegens Leistung schmälern zu wollen. Die Tschechen müssen sich etwas einfallen lassen, wenn sie im Halbfinal gegen ein Topteam gewinnen wollen. Radim Cepek indes war beim Unentschieden gegen Norwegen das erste Mal auf der Tribüne anzutreffen.

Im Gegensatz zu den Tschechen hat die Schweiz das Pflichtprogramm mit der Schulnote 5 absolviert. Gut, aber ohne zu glänzen. Gegen das mühsame Lettland gab es einen sicheren Sieg. Die Spiele gegen Polen und Singapur kann man jedoch wohl oder übel nur als Warmlaufen für die wichtigen Spiele betrachten. Zwei Tore mehr, oder eben etwas weniger Schönspielerei und die Schweiz hätte den Rekord Schwedens von dieser WM mit dem höchsten Sieg gleich erneuern können. Zugegebenermassen ist es aber auch nicht einfach gegen ein Unihockey-Entwicklungsland wie Singapur über 60 Minuten die Pace hochzuhalten. Immerhin, ganze acht „Hattricks“ gabs für Schweizer Spieler gegen Singapur. Bei jedem Hattrick fliegt übrigens vom Jurytisch jeweils eine Melone als Zeichen dafür auf das Feld. Bei SUI – SIN reichten die Hüte dann doch nicht ganz für alle Helden. Es gilt zudem abzuwarten, ob bei Schweden gegen Deutschland auch ein Hattrick vollführt wird und ob es dafür noch Hüte hat. Zur Schweizer Taktik: In keinem der Vorrundenspiele spielte die CH-Nati mit drei Formationen. Aktiv waren immer nur zwei Blöcke. Der Coaching Staff wollte so wohl das Tempo und den Rhythmus auch in den „einfacheren“ Spielen hochhalten. Entsprechend wurden die Spieler auch im Drittelsrhythmus rotiert. Andererseits sollte es doch auch die Schweiz mal schaffen, mit drei guten Linien zu spielen. Um in einem Topspiel bessere Chancen zu haben, wäre dies nötig. Ein erster kleiner Prüfstein steht für die Schweizer nun am Donnerstag mit dem Viertelfinal an.

Um auf den gestrigen Bericht zurückzukommen, wurden die Wünsche und Rufe nach etwas mehr Abwechslung beim DJ erhört. Die Veranstalter nahmen sich das Feedback zu Herzen und zeigten so meines Erachtens etwas Grösse. Leider ist das in der Unihockeywelt nämlich nicht selbstverständlich. Schnell fühl man sich persönlich angegriffen und die Diskussion findet bereits ab dem zweiten Satz auf der falschen, der Gefühlsebene, statt. Zwar fehlt noch ein Lineup- oder Torsong, doch da bin ich zuversichtlich.

Ich konnte mich mittlerweile auch erkundigen, warum die Best Players der Partien jeweils mit einem einfachen Zylinder ausgestattet werden. Da wäre dann im Vergleich, wenn’s schon günstig sein muss, Schokolade praktischer. Aber es sind ja die Magical Games, also ist der beste Spieler ein Zauberer und bekommt den entsprechenden Hut. Den Zauberstab haben ja immerhin alle bereits im eigenen Repertoire. Nur für die Torhüter müsste man sich da allenfalls noch etwas einfallen lassen.

Morgen geht es endlich los mit den „richtigen“ Spielen. Bis dann also. Ich buddle mich in der Zwischenzeit durch den in Helsinki pausenlos fallenden Schnee zum Bahnhof und weiter zum Hotel. Gestern war in Finnland Nationalfeiertag. Und der Service Public somit beschränkt im Einsatz. Ich hoffe sie haben heute einen Weg zum Bahnhof freigemacht.

Bild: Die Schweizer dominierten Singapur nach Belieben. (Ville Vuorinen)

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