Blogs
LATEST BLOGS

Manu's Block: Der obligate Rückblick

Soeben bin ich wieder in der Schweiz angekommen und habe mein... »

Manu's Block: Qualisieg verpasst

Vergangenes Wochenende endete auch in Tschechien die Qualifikation, und... »

Antithese: Schlussspurt in der Superliga

Zwei Runden vor Qualifikationsschluss präsentiert sich die Situation in... »

Featured Player
FEATURED PLAYER

Marc Schadegg

HC Rychenberg - Winterthur
view playercard »
Results
RESULTS
FLOORBALLSTAR Am Mittwoch startet die Studenten WM in Prag. Die Vorschau gibt es auf http://t.co/r6FX3ZkW!
about 14 hours ago.
Thursday, 14. July 2011 10:25
Wo bleiben die Secondos?

Die äusserst erfolgreiche Schweizer U21 Fussballnationalmannschaft hat es aufgezeigt. Multikulti ist mehr als ein politisches Füllwort und kann gerade im Mannschaftsport ein zweckdienliches Konzept sein. Im Vergleich zum Fussball gibt es im Schweizer Unihockey nur sehr wenige Spieler mit einem Migrationshintergrund. Floorballstar.com hat sich auf die Suche nach Gründen dafür gemacht.

Während im Zusammenhang mit der Schweizer Nationalmannschaft früher öfters mal der Röstigraben und damit die Unterschiede zwischen den Deutschschweizern und den Romands thematisiert wurden, so  beschäftigten sich die Medien während der vergangenen U21 Europameisterschaft vermehrt mit dem Migrationshintergrund diverser Schweizer Spieler. In der Equipe hatten mehr als die Hälfte der Berufenen ausländische Wurzeln. Davon waren nicht weniger als fünf Spieler albanisch-stämmige Schweizer. Einer dieses Quintetts ist Xherdan Shaqiri vom FC Basel, der als grösstes Talent dieser U21 gehandelt wird. Die aufgestellte Art und seine technischen Kabinettstücke verzauberten nicht nur die Schweizer Fans. Auf dem rechten Flügel war Shaqiri einer der Aktivposten der offensiv eingestellten Schweizer Mannschaft. Unterstützt wurde er vom rechten Aussenläufer Philippe Koch vom FC Zürich. Diese Konstellation kann als Sinnbild für die gesamte Mannschaft angesehen werden. Während die Spieler ohne Migrationshintergrund eher für defensive Positionen aufgeboten wurden, sorgten die sogenannten Secondos für die Musik in der Offensive. 

Was im Fussball heutzutage als normal angesehen wird, ist im Unihockey immer noch eine Ausnahme. Balkanstämmige Spieler sind auf den Schweizer Unihockeyfeldern sehr selten anzutreffen. Wir haben uns mit dem Thema genauer auseinander gesetzt und dazu die drei Spieler Lulzim Kamaj, Arsim Miftari und Behar Spahija befragt. Die Familien dieser drei Akteure stammen ursprünglich aus dem Kosovo. Floorballstar.com wollte von diesen drei Unihockeyanern wissen, wo sie die Gründe für den beschriebenen Sachverhalt sehen.

Für den Churer Offensivverteidiger und ehemaligen Schweizer Nationalspieler Lulzim „Lulla“ Kamaj gibt es zwei Gründe. „Einerseits ist Unihockey in meinem „Heimatland“, dem Kosovo gänzlich unbekannt. Daher bringen die Eltern ihre Kinder auch eher zum Fussball als zum Unihockey. Andererseits ist der Kollegenkreis aus meiner Sicht entscheidend. In meiner Jugend haben wir immer auf dem roten Platz in Chur Unihockey gespielt. Dadurch fand ich dann auch den Weg in den Club.“

Arsim Miftari ist ein ausgesprochen begabter Unihockeytorhüter mit Wurzeln im Kosovo. Den U21 Vizemeistertitel in der Saison 05/06 betitelt er als seinen grössten Triumph in der mehrjährigen Karriere. Nach diesem Erfolg wurde er zum dritten Torhüter der 1. Mannschaft des Grasshopper Clubs befördert. Vor zwei Jahren beendete Arsim jedoch seine aktive Karriere. Heute ist er nur noch vereinzelt kniend in der Turnhalle anzutreffen. Den Kontakt zu den ehemaligen Mitspielern und der Unihockeyszene hat er sich dennoch bewahrt. Er sieht es ähnlich wie Lulla und nannte im Gespräch drei Gründe, warum so wenige Secondos dem gelochten Ball hinterher jagen: „den Freundeskreis und im Vergleich zum Fussball die höheren Kosten für die Ausrüstung und die kleineren sozialen Aufstiegsmöglichkeiten“. Auch bei Arsim spielte das soziale Umfeld oder eben der Freundeskreis eine wichtige Rolle, warum er sich in jungen Jahren für Unihockey entschied. „Durch meinen Jugendfreund Michi Schwendener, den Bruder der Schweizer Nationaltorhüterin Sarah Schwendener, bin ich zum Unihockey gestossen und dem UHC Cosmic Zürich beigetreten“.  Weiter sieht er die im Vergleich zum Fussball kleineren sozialen Aufstiegsmöglichkeiten als wichtigen Punkt. „Viele Migrantenkinder stammen aus der Unterschicht. Der soziale Aufstieg ist oftmals das grösste Ziel. Wenn man merkt, dass es in der Schule nicht besonders läuft, setzt man oft auf den Fussball. Da im Sport die unmittelbare Leistung zählt, sind Vorurteile und Diskriminierung nicht stark verbreitet und das Ziel somit am „einfachsten“ zu erreichen. Unihockey ist dagegen mehr ein Hobby, mit dem dieser Aufstieg nur bedingt  gelingen kann“.  Als drittes Motiv sieht Arsim die höheren Kosten für die Ausrüstung. „Fürs Unihockey braucht jeder einen Schläger und der Torhüter vielleicht noch einen Helm. Beim Fussball wird hingegen nur ein Ball benötigt“.

Behar Spahija wurde am 18. November 1988 in Gjakova im Kosovo geboren. Im Alter von 2 Jahren kam er in die Schweiz und wuchs im Limmattal auf. Als Junior spielte er für die Limmattal-Sharks. Heute läuft er für Lok Reinach auf. In den vergangenen zwei Spielzeiten erzielte Beks, wie er von seinen Kollegen genannt wird, in der Swiss Mobiliar League sieben Tore und sechs Assists. Im Interview nannte er zwei Hauptgründe, warum der Anteil von Spielern mit Migrantenhintergrund im Unihockey eher klein ist. „Zum einen ist Unihockey in meinem Heimatland kaum bekannt. Fussball ist im Kosovo hingegen die klare Sportart Nummer eins. Zum anderen bietet der Fussball grössere finanzielle Anreize und bessere Strukturen. Als talentierter Fussballer kann man gutes Geld verdienen, während in unserer Sportart nur sehr wenige vom Unihockey leben können“.

Zusammenfassend lassen sich aus den Interviews drei Hauptgründe herauslesen, warum viele Jugendliche mit ausländischen Wurzeln eher im Fussball- statt im Unihockeyclub landen. Alle drei Befragten sind sich einig, dass die fehlende Bekanntheit des Unihockeys auf dem Balkan, die im Vergleich zum Fussball kleineren finanziellen und sozialen Möglichkeiten und der Freundeskreis Hauptgründe für die beschriebene Situation sind. Die drei hier Befragten Akteure sind jedoch der beste Beweis, dass Spieler mit Migrationshintergrund das Schweizer Unihockey weiter bringen. Es wird sich in den kommenden Jahren zeigen, ob sich vermehrt Jugendliche mit ausländischen Wurzeln fürs Unihockey entscheiden werden. Die Schweizer Nationalmannschaft könnte davon durchaus profitieren. 

 

Bild: Lulzim Kamaj (Quelle: www.unihockey-pics.de)

Kommentar erfassen
Kommentare (0)