Daniel Bollinger (36) lächelt. Amtsgerecht in einen Anzug gekleidet steht er in der Zürcher Hardauhalle und verfolgt das Treiben auf dem Spielfeld aufmerksam. An einem ruhigeren Ort im Bauch des Heims der Zürcher Grasshoppers sagt er dann: "Mein Job ist extrem spannend und macht riesigen Spass". Seit dem 1. September 2010 ist der gebürtige Schaffhauser Geschäftsführer des Schweizerischen Unihockeyverbands. Gemäss Communiqué vom Juni hatte die Findungskommission um Zentralpräsident Edwin Wiedmer nach dem Rücktritt von Patrick Falk bewusst nicht in erster Linie "einen Unihockeycrack" gesucht und in Bollinger vielmehr eine "junge, gefestigte Persönlichkeit und Führungsperson gefunden". Für Bollinger ging damit ein Traum in Erfüllung. Als Sportfreak hatte er schon immer den Traum gehegt, in diesem Umfeld Arbeiten zu können. Und auch wenn er ausserhalb der Schule bis zum Zeitpunkt der Anstellung kaum Unihockey gespielt hatte, so sagt er heute: "Ich habe mein Hobby zum Beruf machen können".
In diesen neuen Job hat er sich stetig eingearbeitet. Nach dem Stellenantritt kurz vor Saisonstart konnte und musste er sich auf sein eingespieltes Team auf der Geschäftsstelle verlassen. "Die Dimensionen haben mich schon überrascht", gibt er unumwunden zu. Doch nach drei Monaten harter Arbeit scheint Bollinger sich einen Überblick über den unerwartet grossen Verband, den er operativ führt, verschafft zu haben. Er hat Dutzende Swiss Mobiliar League-Spiele gesehen, war in Jugendcamps, an der WM in Finnland und hat wichtige Kontakte geknüpft. So hat er die Baustellen im Schweizer Unihockey kontinuierlich kennengelernt. Zuerst müsse die Anzahl der Lizenzierten mit neuen Gefässen stabilisiert und erhöht werden, meint er. Insbesondere Altersgruppen wie Jungsenioren und Senioren möchte man ansprechen. "Es ist einfach schade, wenn man mit 30 aufhört Unihockey zu spielen", fügt er an. Auch das Damenunihockey wolle man gezielter fördern. Diesbezüglich erhofft man sich beim Verband von der Heim-WM mit sehr wahrscheinlicher TV-Präsenz einen weiteren Schub.
Zusätzlich sind die Zuschauerzahlen in den höchsten Ligen weiterhin ein Thema. Mit Aktionen wie den Swiss Mobiliar Games soll der Bekanntheitsgrad der Sportart weiter erhöht werden. Bollinger ist sich allerdings bewusst, dass dies nicht nur mit Medienpräsenz geht. "Wir müssen schauen, wie wir die Vereine besser unterstützen können", sagt er. Dazu gehört auch die Entwicklung der Randregionen wie der Romandie und dem Tessin. "Wieso nicht mal ein Länderspiel in Yverdon?" fragt er rhetorisch. Die Ideen seien vorhanden. Gegenwärtig würden sie in konkreten Konzepten ausformuliert und bald umgesetzt. Dass mit Bollinger kein eingefleischter Unihockeyaner den Job als Geschäftsführer übernommen hat, könnte sich als ein cleverer Schachzug des Zentralvorstandes herausstellen. Denn als unvoreingenommener Profi ist er in der Lage, verhärtete Fronten aufzuweichen und Gräben in der Szene zu schliessen. So konnte beispielsweise der Zwist zwischen Geschäftsstelle und unihockey.ch endlich beigelegt werden. Gleichzeitig fordert er auch faire Kritik seiner Arbeit. "Die muss kommen, denn verschiedene Stimmen sind immer eine Bereicherung".
Ende 2012 läuft der Sponsoringvertrag zwischen Mobiliar und Swiss Unihockey aus. Momentan finden Vorgespräche über eine allfällige Verlängerung statt. "Wir können froh sein, mit der Mobi eine Partnerin zu haben, die mit so viel Herzblut dabei ist", meint Bollinger dazu. Es wäre aus seiner Sicht selbstverständlich toll, wenn die Zusammenarbeit fortgesetzt werden könnte. Sie ermöglicht Anlässe wie die Swiss Mobiliar Games und die TV-Produktionen. Die Rückmeldungen darauf seien im Übrigen durchwegs positiv. Auch wenn die Wirkung nur schwierig messbar und die Zuschauerzahlen nur bedingt aussagekräftig seien. Bollinger sieht das Fernsehen nicht als Wundermittel. Vielmehr liegt ihm die nachhaltige Weiterentwicklung des Schweizer Unihockeys am Herzen. Wenn seine Massnahmen greifen, steigt die Chance, dass auch er noch zu einem aktiven Unihockeyaner wird. Bis dahin scheint dem Schweizer Unihockey nur förderlich, dass er keinem Verein angehört.




























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