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2 days ago.
Monday, 15. November 2010 16:28
Cepek: "Mir geht es sehr schlecht"

GC-Center Radim Cepek (34) war zuhause in seiner Wohnung, als ihn am Freitagabend der Anruf seines tschechischen Nationaltrainers Tomas Trnavsky (36) erreichte. Seither hat er kein Auge mehr zugedrückt. Trnavsky teilte ihm einen Tag vor Ablauf der Einreichungsfrist der definitiven Kaderlisten für die Herren WM in Finnland mit, dass er nicht mehr zum Kader gehörte. "Es geht mir sehr schlecht momentan. Für die WM wollte ich nochmals alles geben", sagt er bedrückt auf Anfrage von floorballstar.com. Cepek wurde letzte Saison zum Trainer des Jahres gewählt und erreichte mit dem HC Rychenberg Winterthur als Spielertrainer überraschend den Playoff-Final. Im Anschluss daran suchte er eine neue Herausforderung. Explizit nochmals als Spieler und nicht als Trainer. Um sich nochmals voll auf eine Weltmeisterschaft konzentrieren zu können. Er wählte den Grasshopper Club Zürich mit dem er momentan in der SML den zweiten Rang belegt und dessen erste Sturmlinie er anführt.

"Es waren keine sportlichen Gründe, die zu dieser Entscheidung geführt haben", sagt Tomas Trnavsky. Cepek sei ein grossartiger Spieler. Er sei in der Mannschaft aber ein Störfaktor gewesen und habe sich negativ geäussert. "Ich hoffe, dass wir so einen besseren Teamgeist haben werden", so Trnavsky weiter. Überraschender als die Nichtnomination Cepeks ist hingegen der Zeitpunkt des Ausschlusses drei Wochen vor WM-Beginn. Dazu Trnavsky: "Probleme gab es erst an den letzten beiden Zusammenzügen. In Polen haben wir mit Radim darüber gesprochen, an der EFT wurde es nicht besser". Was genau teamintern gelaufen ist gehöre aber nicht in die Medien. Auf seine eigenen Aussagen angesprochen sagt Cepek: "Natürlich habe ich Dinge gesagt und mich geäussert. Ich war der Meinung, wir müssten in verschiedenen Bereichen noch härter arbeiten". Er war dabei der Auffassung, dass er solche Aussagen machen könne, ja auch sollte. Er habe sich als erfahrener Teamleader gefühlt, der diese Verantwortung übernehmen musste. "Ein junger Spieler traut sich weniger, unangenehme Dinge anzusprechen. Ich fühlte mich sicher in meiner Position". Er habe jedoch durchaus Druck verspürt, je näher die WM rückte und auch harte Aussagen gemacht. "Möglicherweise hat Tomas etwas persönlich genommen, das so nicht gemeint war", so Cepek weiter.

Es ist momentan nur zu vermuten, dass es teamintern verschiedene Gruppen gab, die nicht gleicher Meinung waren. Trnavsky dazu: "Die eine Hälfte der Spieler muss es jetzt halt akzeptieren, dass er nicht dabei ist. Für die andere ist es kein Problem". Für Cepek unverständlich: "Natürlich lieben mich nicht alle. Aber wenn man mich nicht im Team haben will, dann sollte man mir das viel früher mitteilen, damit ich reagieren kann." Dass andere Spieler auf seine Nichtnomination hinwirkten, um selber eine wichtigere Rolle im Team einnehmen zu können, könne er nicht sagen. "Die Spieler, mit welchen ich gesprochen habe, haben nichts dergleichen gesagt." Für Trnavsky ist klar: " Es war ein sehr harter Entscheid gegen eine grosse Persönlichkeit und es wird sich erst an der WM zeigen, ob er richtig war".

Für Radim Cepek ist das unwichtig. "Es geht nicht darum, ob der Entscheid richtig oder falsch war, sondern um die Art und den Zeitpunkt." In seinem Heimatland dürften auch noch andere Probleme damit haben. Cepek weilte letzte Woche in Prag, um zusammen mit den anderen Routiniers Milan Fridrich und Tomas Kafka einen Promo-Clip zu drehen. Heute sagt er, dass das Kapitel Nationalmannschaft für ihn nach dieser Riesenenttäuschung zu Ende sei. Er müsse sich gar die Grundsatzfrage stellen, denn Unihockey bereite ihm momentan keine Freude mehr. Am 4. Dezember startet Tschechien zum ersten Mal überhaupt ohne Radim Cepek in eine Unihockey-WM. Das tschechische Porzellan, welches dieses Wochenende zerschlagen wurde, wird dann mit Sicherheit noch nicht vergessen sein.

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