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Wenn der Klubpräsident Spiele absagen kann...

Die Kloten-Bülach Jets sagten letzte Woche zwei Spiele ab, weil zu wenig fitte Spieler zur Verfügung standen. Die Arztzeugnisse wurden teilweise vom selben Arzt unterzeichnet, der auch Klubpräsident ist. // Freitag, 06. Dezember 2013

Vergangenes Wochenende wurden die Partien von den Kloten-Bülach Jets abgesagt. Grund dafür waren krankheits- oder verletzungsbedingte Ausfälle im Kader der Zürcher. Es wären laut ärztlicher Aufsicht neun Spieler nicht einsetzbar gewesen. Laut Reglement müssten sogar nur sieben ausfallen, um ein Spiel absagen zu dürfen.

Nun gibt es aber zwei pikante Details zur Causa. Erstens wurden diverse Zeugnisse vom gleichen Arzt unterzeichnet, der gleichzeitig auch Klubpräsident ist und zweitens standen für die Jets zwei Partien mit Endspielcharakter um die Playoffs gegen Rychenberg und Unihockey Mittelland an.

Die Vermischung von Clubführung und sportlichem Betrieb ist für den Verband kein Problem. Kommunikationsverantwortliche Monika Reinhard-Brand meint: „Swiss Unihockey hat von den Kloten-Bülach Jets alle notwendigen Arztzeugnisse erhalten. Unsere Weisungen sehen keine Einschränkungen in der Arztwahl vor. Es werden Zeugnisse aller zugelassenen Ärzte akzeptiert.“

Ähnlich ist der Fall im Fussball. Philippe Guggisberg, Verantwortlicher Kommunikation der Swiss Football League sagt: „Grundsätzlich ist es auch im Fussball möglich, bei ansteckender Krankheit von mindestens sechs Kaderspielern mit der gleichen Diagnose um eine Verschiebung des Meisterschaftsspiels nachzufragen.“ Auf die Klotener Konstellation angesprochen meint er: „Grundsätzlich vertrauen wir unseren Teamärzten. Eine Vermischung der Position des Präsidenten und des Klubarztes ist sehr ungewöhnlich. Die grössere öffentliche Aufmerksamkeit des Fussballs verunmöglicht meiner Meinung nach ein solches Vorgehen.“

So scheint es, dass man dem Fussball wieder einmal hinterher hinkt. Wobei die Swiss Football League froh sein kann, dass Christian Constantin Architekt und nicht Arzt ist. Wer weiss, was dann passieren würde. Von den Kloten-Bülach Jets wollte niemand Stellung nehmen. Einen Vorwurf kann man ihnen nicht machen. Es bleibt zu hoffen, dass man alles für den Sportgeist und die Fairness getan hat.