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Vertragsbruch – na und?

// Freitag, 14. Februar 2014

Auch in dieser Winterpause wechselten oder verliessen verschiedene Spieler ihre Clubs trotz laufenden Verträgen. Was in der Privatwirtschaft (oder professionalisierten Sportarten) des Öfteren vor Arbeitsgericht enden würde, hat im Unihockey meistens keine Konsequenzen. Warum also überhaupt Spielerverträge abschliessen? Landläufig wird angenommen, dass die Wertigkeit eines Vertrages mit den finanziellen Leistungen zusammen hängt. Dies ist allerdings nicht der einzig relevante Grund für einen Vertrag.

Mario Teuscher, Jurist und Präsident der Bern Capitals, nimmt dazu ausführlich Stellung:
„Zu Beginn möchte ich festhalten, dass es seit dem 1.1.2011 nicht mehr in allen Kantonen Arbeitsgerichte gibt. Ich werde mich in den folgenden Ausführungen auf die Berner Verfahrensgesetze beziehen, nach denen arbeitsrechtliche Streitigkeiten seit 2011 neu vor den Schlichtungsbehörden bzw. Regionalgerichten entschieden werden.

Der finanzielle Aspekt ist insofern relevant, da unterschieden werden muss, ob ein Spieler für einen Verein arbeitet, oder lediglich vom Verein beauftragt wurde. Je nach Qualifikation des Vertrages gelten unterschiedliche gesetzliche Bestimmungen. Die Beurteilung, ob ein Arbeitsvertrag oder ein Auftrag vorliegt, ist einzelfallweise vorzunehmen. 

Ob nun Auftrag oder Arbeitsvertrag, für Spielerverträge gilt grundsätzlich dasselbe wie für alle anderen Verträge: Die vereinbarten Ansprüche können gerichtlich durchgesetzt werden. Dies unabhängig davon, ob es sich um den Lohn des Spielers, seine Arbeitsleistung oder auch Nebenpflichten wie beispielsweise die Leitung von Juniorentrainings handelt.

Im Vordergrund stehen bei der gerichtlichen Durchsetzung jedoch die Fragen der Zweck- und Verhältnismässigkeit. 

Würde ein Spieler gerichtlich zu seiner Arbeitsleistung verpflichtet bzw. verurteilt, wäre dessen Einsatz und Motivation wohl nicht mehr sehr vorbildlich. Die gerichtliche Durchsetzung verfehlte ihren Zweck.

Bei der Verhältnismässigkeit steht für mich insbesondere das Kostenrisiko im Fokus (die Kosten werden letztlich der unterliegenden Partei auferlegt). Bevor beim Gericht geklagt werden kann, ist nach der neuen Schweizerischen Zivilprozessordnung ein Schlichtungsversuch durchzuführen.

Die Berner Schlichtungsbehörde kann den Parteien Kosten bis zu 1‘000 Franken auferlegen. Bei Streitwerten bis 2‘000 Franken kann die Schlichtungsbehörde selbstständig entscheiden. Bei Streitwerden bis zu 5‘000 Franken kann sie den Parteien einen Urteilsvorschlag unterbreiten.

Kann vor der Schlichtungsbehörde keine Einigung erzielt werden, so erteilt diese die Klagebewilligung für das ordentliche Gericht. 

An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass die Berner Schlichtungsbehörde von Gesetzes wegen in arbeitsrechtlichen Streitigkeiten unentgeltliche Rechtsberatungen erteilt. 

Wird nach Erteilung der Klagebewilligung innert drei Monaten beim Gericht eine Klage eingereicht, steigt das Kostenrisiko wesentlich. 

Neben Gerichtskosten, die sich auch bei einfachen Streitigkeiten schnell im vierstelligen Bereich bewegen, fallen für die rechtliche Vertretung hohe Anwaltskosten an. Unterliegt man, so hat man nicht nur die eigenen, sondern auch die Kosten der Gegenpartei zu ersetzen.

Neben der rechtlichen Qualifikation und damit der Frage nach den anwendbaren Gesetzesbestimmungen ist das Problem des finanziellen Vertragsinhaltes und der gerichtlichen Durchsetzung praktischer Natur. Gerade Verträge mit lediglich marginalen Geldleistungen lassen sich wie oben dargestellt zwar gerichtlich durchsetzen, jedoch nur mit unverhältnismässig hohem Kostenrisiko.

Dass Spielerverträge deshalb unnötig sind, würde ich trotzdem verneinen.

Die Spielerverträge bei unserer 1.-Liga Mannschaft Bern Capitals haben eine ganz andere Funktion. Der Spielervertrag ist für uns vor allem ein Kommunikationsmittel. Sowohl Spieler als auch Verein nehmen ihre Rechte (bspw. für den Spieler der Bezug eines vergünstigten Fitness-Abos) und Pflichten (bspw. Engagement bei den Junioren) zur Kenntnis. Zudem ist es für den Spieler ein „commitment“ für die kommende Saison. Wir haben zwar mit unseren Spielern eine Vertragsdauer vereinbart, bei gegenseitigem Einverständnis kann der Vertrag jedoch jederzeit aufgelöst werden. Bis heute standen wir noch keinem Spieler im Weg, seinem Hobby bei einem anderen Verein nachzugehen.

Auch in der NLA und NLB dürften die vereinbarten Geldbeträge der Spieler wohl noch zu gering sein, damit sich eine gerichtliche Durchsetzung lohnen würde.

Ins gleiche Horn bläst Sascha Rhyner, Headcoach von Wasa. Die Saison mit den beiden Schweden Ahlberg und Gullstrand begonnen, sind beide in ihre Heimat zurückgekehrt. Die Skandinavier wurden allerdings nicht vertragsbrüchig: „Beide hatten entsprechende Klauseln im Vertrag“, erklärt Rhyner. Plakativ führt er aus: „Bei Schweizer Spieler ist der Vertrag meist nicht einmal das Papier wert, auf dem er niedergeschrieben wird.“ Trotzdem will auch er nicht auf schriftliche Verbindlichkeiten verzichten: „Es gibt eine gewisse Planungssicherheit und es ist zumindest eine moralische Verpflichtung.“

Bild: www.ufo-neudorf.at