» Drucken

Die Schweizer wollen das schwedische Unihockey auf den Kopf stellen

Die Vipers aus Växjö haben eine turbulente Achterbahnfahrt hinter sich – mit zwischenzeitlichem Höhepunkt. Wie der Abstiegskandidat den Weg in die Playoff fand und wie die ganze Stadt der Serie gegen den Meister entgegenfiebert, erzählt Söldner Luca Graf. Von Simon Stettler // Mittwoch, 12. März 2014

Fehlende Konstanz, individuelle Fehler, keine Cleverness. Der Start in die Saison von Aufsteiger Växjö war äusserst schwierig. Das gilt auch für die beiden Schweizer Söldner Luca Graf und Pascal Meier. Die beiden Nationalspieler bekundeten Mühe sich an das schwedische Unihockey anzupassen. Es gab sogar Spiele, wo beide kaum oder gar nicht eingesetzt wurden, obschon sie als Hoffnungsträger verpflichtet wurden. „Die Umstellung war sehr schwierig. Wir mussten uns auch ans <Ausländer-sein> gewönnen, das Tempo war höher und die Liga ist völlig anders“, gibt Graf zu Protokoll. Aber auch für das Team sei es wie erwähnt schwierig gewesen, weil man in der Aufstiegssaison praktisch alles gewonnen habe und dann plötzlich mit zahlreichen Niederlagen konfrontiert gewesen sei. „Der Schlüssel zum Erfolg waren die vielen Diskussionen und die Erkenntnis daraus, dass wir unsere Energie wieder besser einsetzen mussten“, sagt der Nationalverteidiger. Sie würden ein sehr physisches Spiel spielen und entsprechend auf diese angewiesen.

Der Turnaround zum Erfolg war laut Graf der Sieg gegen Warberg. Dort standen die Vipers vor dem letzten Drittel mit 5:6 in Rücklage, gewannen die Partie aber mit 12:6! „Für uns war dann klar, dass wir kein Absteiger sind und dass wir vielleicht sogar die Playoffs erreichen können“, reflektiert der Berner. Und tatsächlich, mit hervorragenden Resultaten nährte man sich dem ominösen Strich mit grossen Schritten, bevor man schliesslich letztes Wochenende den entscheidenden Sieg gegen Granlo landete und damit die Playoff-Quali realisierte.

Heute Mittwochabend steht nun das erste Spiel an, ausgerechnet gegen die Übermannschaft und Qualifikationssieger IBK Falun. „Natürlich ist Falun Favorit. Trotzdem sind wir mit der Wahl sehr zufrieden“, gibt sich Graf optimistisch. In Schweden dürfen die besser klassierten Teams ihre Gegner auswählen, was live im Fernsehen gezeigt wird. „Als die Verantwortlichen von Falun uns auswählten, sind alle spontan aufgesprungen und haben gejubelt. Wir wollen etwas erreichen.“

Dass der amtierende Meister die Vipers nicht ganz ernst nehmen, belegt eine Aussage von deren Stürmer Enström: „Er meinte, dass wir der optimale Gegner wären, um sich an das harte Spiel zu gewöhnen und sich damit für die nächsten Aufgaben einzustimmen zu können“, erzählt Graf lächelnd. Die grosse Angst verspürt man beim Meister offensichtlich nicht und das könnte die grosse Chance von Växjö sein. Falun sollte aber gewarnt sein, von den letzten neun Spielen, gewannen die Vipers deren acht! Es treffen also zwei formstarke Mannschaften aufeinander.

Rund um den Verein sei eine grosse Euphorie zu spüren. „Die 850 Eintrittskarten im Vorverkauf waren innert 45 Minuten ausverkauft.“ Växjö ist bereit und Graf lässt selbstbewusst verlauten: „Wir sind bereit, das schwedische Unihockey auf den Kopf zu stellen!“

Ein Wehrmutstropfen bleibt. Graf ist heute Abend nämlich Zuschauer. Ganz NHL-like meint er nur, eine "Lower Body Injury" hindere ihn an einem Einsatz. So wird er also auf der Tribüne mitfiebern, wenn seine Teamkameraden in wenigen Stunden den Grundstein zu einer Sensation legen wollen.

http://sport.bilderna.it