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Deutschland: Feuer im Dach(-Verband)!

Von Redaktion // Dienstag, 04. Februar 2014

In Deutschland tobt derzeit ein Machtkampf um die Entwicklung der Sportart. Einige Vereine und Funktionäre sind nicht zufrieden mit der Arbeit des Verbandes und haben das in einem offenen Brief kund getan. Just in dem Moment poltert Neo-U21-Coach Thomas Berger in einem Interview über die sehr schwierigen Umstände seiner Arbeit und der mangelnden Unterstützung (Interview Berger). Man ist gefordert beim grossen Bruder...

Unten der Brief im Wortlaut. Mit einigen Passagen werden sich Schweizer Kritiker identifizieren können. Wir werden morgen Stimmen von beiden Seiten nachliefern.

Brief:

“Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Stoll,

mit großer Besorgnis haben wir die prekäre Finanzsituation des Floorball Verband Deutschland e.V. (nachfolgend FVD) zum Jahresende 2013 zur Kenntnis nehmen müssen. Wenn man dazu noch die ausbordende negative Diskussion zur Herren-Nationalmannschaft in Vorbereitung auf die anstehende WM-Qualifikation hinzunimmt, muss man konstatieren, dass bereits jetzt für den deutschen Floorballsport ein erheblicher Imageschaden eingetreten ist.

Wenn der Begriff „Floorball Deutschland“ nicht nur plakativ für die zahlreichen medienwirksamen Veröffentlichungen stehen soll, ist es gerade die Aufgabe des FVD und seines Präsidenten, die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen zur Entwicklung der Sportart Floorball und damit auch die unter seinem Dach zusammengefassten Landesverbände und Vereine zu schaffen. Leider sind wir davon gegenwärtig doch weit entfernt.

Floorball Deutschland sind seine Landesverbände, Vereine und natürlich deren Mitgliederinnen und Mitgliedern. Wir verstehen uns als Träger der Sportart Floorball und würden unserer Verantwortung hieraus gern ebenfalls gerecht werden. Allerdings muss dies auch von Seiten des FVD gewollt und zugelassen werden. Leider mussten wir aber gerade in der jüngeren Vergangenheit immer öfters verzeichnen, dass die Entscheidungsträger des FVD an den Interessen der Mitgliederinnen und Mitglieder vorbei reglementieren und sich als beratungs- und kritikresistent zeigen. Beispielhaft sei nur auf die gegen Widerstände erfolgte Wiederholung der U-19-Weltmeisterschaft der Herren 2013 in Hamburg, die nicht verständliche Ausrichtung der Pokalendrunde final4 auf der Insel Föhr in dieser Saison, das vermisste Festhalten an getroffenen Absprachen im Rahmen der Bundesliga-Telefonkonferenz zum Austragungsmodus der Playoffs der 1. Bundesliga Herren oder die (allerdings nur zurückgestellte) Idee der Ausrichtung eines Superfinales unter Ignorierung der finanziellen Interessen der möglichen Finalteilnehmer ab 2015 hingewiesen.

Die notwendige Sanierung der Finanzen des FVD ist essentiell. Diese kann aber nur gelingen, wenn es dem Vorstand des FVD und Ihnen als Präsident gelingt, die Landesverbände, Vereine und die Mitgliederinnen und die Mitglieder unseres Verbandes mit ins Boot zu holen.

Aber gegenwärtig können wir nur feststellen, dass die vom FVD und Ihnen geschuldete finanzielle Situation weder aufgearbeitet noch darstellbar ist. Die darauf in der Gesamtvorstandssitzung des FVD am 19.12.2013 gefassten Beschlüsse zeigen sich daher als blanker Aktionismus denn als tatsächliche sachgerechte und kompetente Reaktion auf eine Analyse der Verbandsfinanzen. Leider gerierten sich zudem die an der Gesamtvorstandsitzung beteiligten Landesverbände weder als Interessenvertreter ihrer (Bundesliga-)Vereine noch zeigten sie sich hinsichtlich der Einschätzung der Refinanzierbarkeit der über Jahre eintretenden erheblichen finanziellen Mehrbelastungen durch die betroffenen Vereine als kompetent.

Aus diesem Grund treten wir gemeinsam an den Floorball-Verband Deutschland e.V. mit nachfolgenden Forderungen heran:

1. Es ist eine transparente und schonungslose Offenlegung der Finanzen des FVD – ausreichend vor dem nächsten Termin der Gesamtvorstandssitzung am 08./09.03.2014 in Blossin – vorzunehmen. Die transparente und schonungslose Offenlegung der Finanzen sollte mindestens 2 Wochen vor diesem Termin gegenüber den Landesverbänden erfolgen, damit diese sich mit den zugereichten Unterlagen auseinandersetzen und diese mit ihren Mitgliedsvereinen in den Landesverbänden diskutieren können, um ggf. eigene Vorschläge und Konzepte dazu zu erarbeiten.

2. Die Durchführung einer außerordentlichen Delegiertenversammlung ist bis zum 30.04.2014 vorzunehmen, wobei ein spielfreies Wochenende in der Endphase der Meisterschaftsrunde Damen und Herren dafür genutzt werden sollte.

3. Es ist eine deutliche Reduzierung der Personalkosten auf ein noch vertretbares Mindestmaß mit einer entsprechenden leistungsbezogenen Ausschreibung der dann noch teilfinanzierten Stellen vorzunehmen. Dabei sollten die Geschäftsstelle und damit die Stelle des Generalsekretärs weiterhin als vollfinanzierte Stelle unter Beachtung der Finanzsituation des FVD aufrechterhalten bleiben.

4. Eine Neuausschreibung aller der dann festgelegten und unbedingt erforderlichen Stellen im FVD ist durchzuführen. Dabei sind die teilfinanzierten Stellen leistungsbezogen auszuschreiben und mit einer deutlich reduzierten Vergütung im Rahmen der Ehrenamtspauschale in Höhe von 2.400,00 € p.a. nach oben zu deckeln. Die vollfinanzierte Stelle des Generalsekretärs ist ebenfalls neu auszuschreiben und leistungsbezogen auszugestalten. Das Festhalten an teil- und vollfinanzierten Stellen steht unter dem Vorbehalt der Finanzierbarkeit durch den FVD.

5. Es wird die Aussetzung der Beschlüsse der Gesamtvorstandssitzung vom 19.12.2013 bis zur anzuberaumenden außerordentlichen Delegiertenversammlung des FVD gefordert.

6. Es wird eine Erklärung des freiwilligen Verzichtes des FVD im mittelfristigen Zeitraum auf eine Durchführung von internationalen Großereignissen wie Weltmeisterschaften und EC-Finals und ein weitergehender Verzicht auf die Durchführung eines so genannten Superfinales zur Ermittlung der Deutschen Meister gefordert.

7. Länderspiele und EC-Qualifikationen können unter Vergabe der Veranstaltung an die ausrichtenden Vereine weiter durchgeführt werden. Die Ausrichtung dieser Veranstaltungen sollte den jeweiligen Vereinen vor Ort zu dessen Nutzen und finanziellen Risiken ausschließlich übertragen werden. Die Bewerbung der Sponsoren des FVD und/oder der IFF muss dabei abgesichert sein.

8. Es soll durch den FVD eine Beschlussvorlage zur außerordentlichen Delegiertenversammlung zur Unterstützung der Trainingslager der Nationalmannschaften eingebracht werden, in dem Sinne, dass jeder Landesverband je nach Bedeutung und der Anzahl seiner Bundesligisten verpflichtet ist, 1 bis 2 Trainingslager der Nationalteams im Kalenderjahr auszurichten, wobei dabei abgesichert werden soll, dass die Landesverbände mit den jeweils ausrichtenden Vereinen die kostenfreie Absicherung des Trainingslagers hinsichtlich der Übernachtungen und Verpflegung gewährleisten können.

9. Unter Beachtung von Ziff. 1 und 2 sind die Verantwortlichen für die prekäre finanzielle Situation des Floorball Verband Deutschland e.V. zu benennen.

Wir halten es für geboten, dass sich der FVD in den nächsten Tagen und in Vorbereitung der nächsten Gesamtvorstandssitzung am 08./09.03.2014 in Blossin mit unseren aufgestellten Forderungen auseinandersetzt.

Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass gegenwärtig die Vertretung der Vereine, insbesondere der Bundesligavereine, im Rahmen der Gesamtvorstandssitzung nicht ausreichend ist.

Wir werden parallel den jetzigen Bundesligisten vorschlagen, sich zu einem sogenannten Ligaverband zusammen zu schließen. Diesbezüglich werden wir vorbereitende Arbeiten ausführen.

Wir werden dann zu geeigneter Zeit an den FVD herantreten, mit der Maßgabe, im Rahmen einer ordentlichen bzw. außerordentlichen Delegiertenversammlung die Satzung des Ligaverbandes zu beschließen und in Ausfluss dessen auch die Satzung des Floorball Verbandes Deutschland dahingehend anzupassen, dass mindestens 2 Vertreter des Ligaverbandes mit Stimmrecht an der Gesamtvorstandssitzung teilnehmen können.

Ziel des Ligaverbandes soll nicht nur die Organisation und gemeinsame Entscheidungsfindung aller Bundesligisten sein, sondern der Ligaverband soll auch ein Gremium sein, um entsprechende Vorschläge zur Entwicklung der Sportart Floorball zu unterbreiten, die dann mehrheitlich auch von allen Bundesligisten mit getragen werden. Der zu bildende Ligaverband versteht sich nicht nur als Interessenvertreter der Bundesligavereine, sondern auch als gleichberechtigter Partner einer Diskussion zur weiteren Entwicklung der Sportart Floorball.

Wir sehen Ihrer geschätzten Rückäußerung mit Interesse entgegen und verbleiben

mit freundlichen Grüßen

Dr. Rolf Blanke
Floorball Verband Sachsen-Anhalt
sowie UHC Sparkasse Weißenfels

Detlef Stötzner
Floorball Verband Sachsen

Mario Vordank
Red Devils Wernigerode

Ralf Kühne
Mitteldeutscher Floorball Club”

Foto: www.floorball.de