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Dank finnischem Vorbild zu schweizerischem Glück?

In Finnland explodieren die Zuschauerzahlen bei Unihockeyspielen. Was hinter dem Boom steckt und ob dieser Trend auch bald in der Schweiz einsetzt. Von Simon Stettler // Donnerstag, 07. November 2013

Während sich die Schweizer Nationalspieler nach den Länderspielen vor über 2000 Zuschauer wieder an Meisterschaftsverhältnisse gewöhnen müssen, dürfen sich die skandinavischen Vertreter auf volle Stadien freuen. In Schweden verfolgen unverändert viele Fans die Partien, neu ist die Situation in Finnland: Die Zuschauerzahlen boomen! Diese Wahrnehmung bestätigt Juhani Henriksson, Kommunikationschef des finnischen Verbandes: „Wir konnten die Anzahl Fans multiplizieren! Es ist offensichtlich, dass wir von den landesweiten Live-Übertragungen im Free TV profitieren.“ Grund für die Live-Übertragungen ist ein neuartiger Vertrag, der den kleineren Sportarten Unihockey, Basketball und Volleyball mehr Präsenz im Fernsehen garantiert. Zwar ist der finnische TV-Markt weniger monopolistisch als der schweizerische, trotzdem ist es gelungen bei YLE, dem wichtigsten Sender des Landes, unterzukommen. Die Zusammenarbeit von Verband und Fernsehen ist intensiv. So werden Stories und News vom Verband aufgegriffen, diese werden dann vom Sender verarbeitet. Entsprechend sei Unihockey auch in News-Sendungen wesentlich öfters ein Thema, meint Henriksson.

In der Schweiz kann die Unihockey-Szene von einer solchen, medialen Abdeckung nur träumen. Bei Swiss Unihockey laufen Bestrebungen, das zu ändern. Daniel Bollinger, Geschäftsführer des Verbandes sagt: „Wir tauschen uns intensiv mit Swiss Volley, Swiss Handball und Swiss Basketball aus. Wir haben ebenfalls festgestellt, dass wir im Paket ein massiv stärkeres Gewicht aufbringen können.“ Spruchreif ist allerdings noch nichts.

Die Monopolstellung von SRF auf dem schweizerischen TV-Markt ist bekannt. Ins Programm aufgenommen zu werden, ist entsprechend schwierig. Notker Ledergerber ist Programmreferenten bei SRF und meint zur Chance auf mehr TV-Präsenz: „Wir klären ab, ob das letzte Spiel der nationalen Unihockey-Meisterschaft live gezeigt werden könnte.“ Von einer Paket-Lösung mit anderen Sportarten scheint man wenig Gehör zu haben. Es liefen Überlegungen, andere Sportarten nur im Internet anzubieten. „Web only“, wie Ledergerber sagt.

Ein einziges Spiel zu präsentieren scheint möglich, von einer regelmässigen Berichterstattung ist man allerdings noch weit entfernt. Bollinger gibt sich aber kämpferisch: „Wir glauben fest daran, dass wir, sofern alle vier Verbände mitziehen, mittelfristig eine nachhaltige Lösung finden können.“

Quelle Bild: MTV Oy