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An die WM ohne den Liga-Topskorer?!

Nico Scalvinoni hat mit seinem Rücktritt aus der Nationalmannschaft ein halbes Jahr vor der WM alle geschockt. Was die Gründe sind und ob dies nur eine temporäre Lösung ist, erklärt der Zürcher im Interview. // Freitag, 25. April 2014

Gibst du tatsächlich vor einem solchen Jahr mit Champions Cup, Superfinale und WM den Rücktritt?
Der Rücktritt bezieht sich ja nur auf die Nationalmannschaft und noch lange nicht auf meine Karriere bei GC. Da habe ich noch einiges vor und freue mich riesig auf den Champions-Cup und hoffentlich die Teilnahme am Superfinale direkt vor meiner Haustüre.

Wenn du nun bis kurz vor der WM nicht aufgeboten werden willst, wirst du dann überhaupt noch berücksichtigt?
Das grösste Problem ist die WM im Dezember. Ich habe viele Abgaben kurz vor Weihnachten, welche enorm viel Zeit in Anspruch nehmen. Dies ist der Hauptgrund für meinen Entscheid. Es ist also nicht so, dass ich damit pokere, einen "ruhigen" Sommer zu haben und mich dann kurz vor der Weltmeisterschaft wieder zurück ins Kader zu schmuggeln. Meine Entscheidung den Rücktritt so früh anzukündigen war deshalb, weil ich anderen Spielern die Chance geben will, die gesamte Kampagne absolvieren zu können und von der Professionalität, welche in der Nationalmannschaft herrscht, profitieren zu können.

Was hat Nationaltrainer Petteri Nykky zu dieser Entscheidung gesagt?
Eine gute Frage (lacht). Von ihm habe ich keine Rückmeldung erhalten. Nur mit Remo Manser habe ich einige Mails hin und her geschickt. Aber ich habe auch nicht damit gerechnet, dass Nykky sich bei mir meldet.

Du würdest ein kurzfristiges Aufgebot vor der WM annehmen. Ist das die Freiheit, die sich ein Liga-Topscorer herausnehmen kann? Einige würden das als Starallüren bezeichnen....
Nein auf keinen Fall. Dies würde höchstens zutreffen, wenn ich dann kurz vor der WM doch Zeit finde, dabei sein zu können. Aber mit dem Liga-Topscorer hat dies nichts zu tun. Ich spekuliere nicht damit, dass die Coaches nicht auf mich verzichten können und drücke mich deshalb von all den Konditionstrainings im Sommer. Aber jeder soll sich seine eigene Meinung darüber bilden. 

Isaac Rosén hat in einem Interview gesagt, dass es sein Nationalstolz nicht zulasse, ein Aufgebot für die Nati abzulehnen. Selbst dann nicht, wenn er keine grosse Chancen auf eine WM-Selektion hat. Hast du diesen Nationalstolz nicht?
In diesem Punkt gebe ich Isaac zu 100 Prozent Recht. Mein Nationalstolz wurde durch diesen Entscheid auch ein wenig angekratzt. Es ist keines Falls so, dass ich nach der Teilnahme an der letzten WM meine Ziele erreicht habe und ich deshalb zufrieden bin. Ich bin schon seit längerer Zeit in der Nati, aber leider hat erst Nykkyy meine Qualitäten geschätzt und mir diesen Traum ermöglicht. Wäre er schon länger Nationaltrainer hätte ich wahrscheinlich auch schon zwei oder drei Weltmeisterschaften gespielt. Ich habe bis jetzt immer alles dem Unihockey untergeordnet und viele Opfer dafür gebracht. Vor der letzten WM habe ich sogar die KME abgebrochen und mich für einen neuen Berufsweg entschieden. Dieser nimmt aber sehr viel Zeit in Anspruch und ich will keine Extrarunden mehr drehen. Deshalb haben sich meinen Prioritäten etwas verschoben. Mein Studium und GC haben oberste Priorität. Mit GC will ich endlich den Titel nach Zürich holen und noch viele schöne Jahre in der NLA verbringen und weitere Punkte sammeln.

© Fabian Trees