Soeben bin ich wieder in der Schweiz angekommen und habe mein Tschechien-Abenteuer beendet. Zum Schluss gibt’s natürlich noch den obligaten Rückblick.
Zu Beginn ein paar Worte zu den Playoffs in Tschechien, die dieses Jahr nicht so spannend waren wie auch schon. Bekämpften sich in den vorjährigen Halbfinals Chodov und Tatran, beziehungsweise Ostrava und Vítkovice in legendären Stadtderbys, war dieses Jahr weniger Pfeffer drin. Die Viertelfinals wurden allesamt mit 4:0 zugunsten der Favoriten entschieden und in den Halbfinals war die Sache ebenfalls relativ klar. Tatran eliminierte Ostrava in vier Spielen und Vítkovice schickte uns mit vier zu zwei Siegen in die Ferien. Obwohl fast alle Spiele in unserer Halbfinalserie knapp waren, war Vítkovice die bessere Mannschaft dieses Jahr. Das Problem bei Chodov ist, dass zu viel - beziehungsweise praktisch alles - von Matěj Jendrišák abhängt. Trifft er mal nicht wie gewohnt, wird es knapp mit dem Sieg. Bei Vítkovice trumpfte hingegen die dritte Linie gross auf, welche hauptsächlich aus Spielern mit den Jahrgängen 92 und 93 besteht.
Der Superfinal war dann ein grosses Unihockeyfest, welches Fridrich mit drei Toren für Tatran entschied. Bemerkenswert an der Sache ist weniger der erneute Titel Tatrans, sondern dass Fridrich eigentlich die gesamten Playoffs verpasste und den Final verletzt spielte. Das Superfinale selbst war sehr gelungen und übertraf mit 8000 Zuschauern und einer super Stimmung alle Erwartungen. Irgendwie ging aber alles so schnell und verglichen mit der Finalserie der letzten Saison konnte der Superfinal an Dramatik und Klasse einfach nicht mithalten. Für Tschechien, wo die Spitze sehr eng beisammen ist, bin ich deshalb der Meinung, dass eine Finalserie über fünf Spiele die bessere Lösung wäre. Für die Schweiz hingegen wäre so ein Superfinale eine gute Sache, da die Spannung in den Finalserien der letzten Jahre doch fehlte.
Nun zu meinem persönlichen Saisonfazit. Zu Beginn war alles super und die ersten beiden Monate in Tschechien waren fantastisch. Alles war neu und jeder Tag ein kleines Abenteuer. Die ersten paar Spiele spielte ich an der Seite von Radim und es lief ganz gut, abgesehen vom Tore Schiessen, was mir einfach nicht gelingen wollte. Im November wurde Radim zum Verteidiger umfunktioniert und ohne meinen Mentor auf dem Feld verlor ich den Tritt. Nach der Anfangseuphorie war ich sowohl auf als auch neben dem Feld in einem Loch. Ich hatte mehr und mehr Probleme mit der Mentalität der Tschechen und sportlich lief es wie gesagt eher suboptimal. Da das Team aber gut im Schuss war störte mein Formtief nicht wirklich und die Verantwortlichen waren sehr geduldig mit mir. Trotzdem war ich froh, als ich an Weihnachten zwei Wochen nach Hause durfte.
Seelisch gereinigt kehrte ich nach Prag zurück und danach war es genial. Meine Leistungen auf dem Feld waren zwar immer noch nichts Spektakuläres, aber ganz in Ordnung. Auf eigenen Wunsch spielte ich fortan in der dritten Linie, bekam nicht mehr so viele schöne Pässe, die ich versemmeln konnte und hatte viel Verantwortung in der Linie. Dem Team liefs gegen Ende der Saison nicht mehr so gut und wie oben erwähnt flogen wir gegen Vítkovice raus.
Neben meinen kleinen aber feinen Fortschritten auf den Feld gings auch mit dem Tschechisch aufwärts. So konnte ich ab Februar ein normales Gespräch führen und im März habe ich meinen ersten Witz gemacht. Als es dann mit der Sprache klappte, wurde es eigentlich jede Woche schöner in Prag. Eigentlich ist es schade, dass ich schon wieder nach Hause gehe, jetzt da ich mich so richtig eingelebt und integriert habe. Aber halb so schlimm, ich werde die Zeit hier nie vergessen und viele Erinnerungen mit nach Hause nehmen. So besuchte ich zum Beispiel ein Spital in Prag nachdem ich einen Zahnstocher verschluckt habe. Natürlich sprach im ganzen Spital niemand Englisch und nach einer nie enden wollenden Endoskopie, die man in der Schweiz bestimmt ganz anders durchgeführt hätte, war der Zahnstocher irgendwie wieder draussen. Auch ganz viele Erfahrungen, die nicht mit Schmerzen verbunden waren, werde ich nie mehr vergessen. Ich kann jedem nur raten eine gewisse Zeit im Ausland zu spielen und würde mich sehr freuen wenn ich nicht der letzte Schweizer in der tschechischen Extraliga wäre. Die Menschen in Tschechien sind sehr herzlich und lustig und würden weitere Unihockey-Schweizer ganz bestimmt mit offenen Armen empfangen. Und das Bier ist genial!



























