Vergangenes Wochenende endete auch in Tschechien die Qualifikation, und dies mit einigen Verschiebungen an der Tabellenspitze. In den letzten drei Runden spielten Tatran, Vitkovice und Chodov jeweils gegeneinander und alle Partien endeten mit nur einem Tor Differenz. So rutschte mein geliebtes Chodov, welches sich lange auf dem ersten Platz gehalten hatte doch noch auf den dritten Rang ab. Tatran wiederum konnte sich wie gewohnt noch irgendwie an die Tabellenspitze schummeln und überliess Vitkovice den zweiten Rang. Dies ist ziemlich bitter für uns, da der Erstplatzierte im Halbfinale im schlimmsten Fall gegen Ostrava spielt, welches diese Saison klar schwächer ist als die Top 3. Man spricht deshalb schon davon, dass Tatran ein Freibillet für den Final hat. Da haben wir eine grosse Chance verpasst.
Doch genug gejammert, nun zu den Viertelfinalbegegnungen, welche ab diesem Wochenende jeweils in einer Best of Seven Serie ausgetragen werden.
Tatran Střešovice (1.) - Torpedo Havířov (8.)
Der Serienmeister Tatran trifft auf den Aufsteiger Havířov. Zu Tatran habe ich eigentlich schon alles gesagt, und es wird davon ausgegangen, dass sie die Serie in vier Spielen entscheiden werden. Deshalb nun ein paar Worte zum Underdog. Haviřov ist ein Vorort von Ostrava und die jüngste Stadt Tschechiens. Sie wurde in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts gebaut als Unterkunft für die Arbeiter der naheliegenden Bergwerke (Haviř = Bergmann). Cepek, die Kožušník Brüder, Skalik, Jendrišák und viele weitere gute Unihockeyspieler sind von dort, weshalb die Stadt getrost als Talentschmiede des tschechischen Unihockeys bezeichnet werden darf. Die Stadt selbst ist nicht allzu speziell. Jan Binder, der Torhüter von Chodov und auch aus Haviřov, hat mir die Stadt einmal mit seinem Ostakzent wie folgt beschrieben: “Scheisse Leben, aber gute Party“. Die Kožušník Brüder sind das Aushängeschild von Torpedo Haviřov und haben im Club den Status von Halbgöttern. Angeführt von ihnen, spielt Haviřov ein sehr ansehnliches Unihockey.
1. SC WOOW Vitkovice (2.) - Bulldogs Brno (5.)
Dieses Duell kann man am besten als Kampf der Studenten betiteln. Bei Vitkovice handelt es sich um die Vereinigung unihockeyspielender Studenten aus Ostrava. Wie im letzten Blog erwähnt, spielen sie das schönste Unihockey Tschechiens und sollten sich ohne Probleme für das Halbfinale qualifizieren. Bulldogs Brno ist das Studententeam Tschechiens schlechthin - Brno ist mit 370´000 Einwohnern die zweitgrösste Stadt Tschechiens, wovon fast ein Viertel Studenten sind. Die Stadt ist sehr unihockeybegeistert, in den Playoffs besuchen regelmässig über 1000 Leute die Heimspiele. Das Studententeam spielt ein gepflegtes Unihockey und fliegt alljährlich nach ehrenhaften Niederlagen aus den Playoffs. An die Spitze der Liga schafften sie es nie, unter anderem, weil ihnen die Spieler nach abgeschlossenem Studium der Arbeit wegen davonlaufen. Klingt für mich ein wenig nach dem Floorball Köniz von Tschechien...
TJ JM Chodov Pedro Perez (3.) - Panther Otrokovice (7.)
Wir bekommen es im Viertelfinale mit den schlimmsten aller Urputacis (=Bauerntölpel) zu tun - Freude herrscht. Die Panthers aus Otrokovice legen ihr Spiel ganz auf Kampf und Chaos aus. Im Angriff beschränken sie sich auf die folgende Variante: Von überall wird der Ball aufs Tor geschossen und dann machen sie wie man auf Tschechisch so schön sagt „bordel“ im Slot. Angeführt wird das Team vom ehemaligen Uster-Söldner Matěj Koňařík und ein paar ehemaligen Vitkovice Spielern. Der wahre Trumpf des Teams sind aber die Fans, welche in den Playoffs sicherlich in Hochform sein werden. Ein unangenehmer Gegner, vor allem, weil sie in der Quali vier Punkte gegen uns holten. Die Panthers haben aber die mit Abstand schlechteste dritte Linie der Liga und werden wohl meist mit zwei Linien spielen. Nach ein paar Spielen sollten ihnen also bei ihrem Spielstil (hoffentlich) die Luft ausgehen.
Remedicum FBC Ostrava (4.) - Billy Boy Mlada Boleslav (6.)
Die bösen Jungs von Ostrava treffen auf die Kondomjungs aus Mlada Boleslav (Billy Boy, der Hauptsponsor und Namensgeber des Vereins ist eine Kondommarke). Diese Serie ist die ausgeglichenste von allen Viertelfinalpaarungen. Mlada Boleslav ist eine Stadt nördlich von Prag und ist allgemein bekannt als die Škoda-Stadt (Produktionszentrum von Škoda). Aufgrund des Champions Cups vom letzten Oktober - an welchem sie als Organisator automatisch teilnehmen durften - verstärkten sie sich mit zahlreichen Spielern. Da die Zuzüge aber alle nur Durchschnitt waren, hängt das Team immer noch von den drei Natispielern Novotný, Fojta und Slaný ab. Ein mittelmässiges Team ohne Skandale und Erfolge. Für eine Halbfinalquali könnte es gegen das geschwächte Ostrava aber allemal reichen.
Kleine Info für die Freunde von Unihockey- Fernsehbildern. Am 12.3. wird Ostrava – Mlada Boleslav und am 18.3. Otrokovice – Chodov im tschechischen Fernsehen übertragen. Die Spiele können im Nachhinein auf folgender Homepage in voller Länge angeschaut werden:



























