» Drucken

Wohngemeinschaft Graf und Meier

Von Luca Graf & Pascal Meier // Sonntag, 01. September 2013

Von Luca Graf und Pascal Meier

Ein Monat befinden wir uns  nun bereits in unserer neuen Heimat, Växjö. Eine idyllische Kleinstadt mit ca. 60 000 Einwohnern, eingebettet in einer herrlichen Landschaft aus Wald, Seen, Wald und Wald. Natur pur, so durften wir auch bereits mit der Ostsee Bekanntschaft schliessen. Anlässlich des Teambildingsevents in Ängelholm lernten wir unsere neuen Mitspieler besser kennen. Traktorreifen 15 Kilometer durch Sanddünnen schleppen, unterbrochen durch mannshohes Meerwasser (und nein, nicht Karribikblau, sondern eher Moor und all dies ohne Vorahnung), Baumklettern, Duschen nur im Meer, Übernachten in einem viel zu kleinen Zelt mit Tuchfühlungsmomenten, Essensentzug etc. Teambildung Schweden, eine verrücktes und eindrückliches Wochenende.

Doch auch die zwei Schweizer Nationalspieler mussten sich zuerst näher kennenlernen. Verwirrende Momente, als einer der beiden in der Gartenabteilung Handschuhe kaufte, mit der Absicht, diese für seine Unihockeykünste zu missbrauchen. Hohn auf der einen Seite, Erklärungsbedarf auf der Anderen. Ansonsten entwickeln wir uns zu einem super Team, gerade neben dem Feld. Jamie Oliver und Mister Propper, eine durchaus gelungene Kombination im Haushalt. Auf dem Feld fehlt dem Torwart leider die Erkenntnis, dass Berner auch des Schweizerdeutschs mächtig sind.

Spielertaufe ohne Gnaden

Apropos schwedische Sprache: Noch sind wir uns nicht einig, ob die Lehrbücher uns tatsächlich die Sprache vermitteln, die auf der Strasse gesprochen wird. Bis anhin hört sich alles zu verschieden an, aber wir arbeiten weiter daran. Gewisse Wörter und Ausdrucksweisen sind uns bereits jetzt gängig, leider sind sie nicht für den Alltagsgebrauch verwendbar (herzlichen Dank an die Teammitglieder). Immerhin können wir an der Kasse perfekt schwedisch bezahlen: „Hej – tack(danke) – nej(falls nach der Quittung gefragt wird)“.

Bestellen mussten wir an unserer Spielertaufe nichts, wie es sich gehört für Damen. Damen? Ja, wir mussten uns den ganzen Abend in hässliche, weibliche und nahe an menschenrechtsverletzende Outfits zwängen. In den „sexy“ Outfits mussten wir uns dann verschiedenen Aufgaben stellen. Das Lustigste für die Organisatoren war wohl ein Quiz (auf schwedisch über Schweden), bei dem falsche Antworten durch ziehen an einer maskulinen, sehr unangenehmen Stelle bestraft wurde. Keine Angst, eine Schnur dient als Bindeglied, nicht dass noch ein falscher Eindruck entstehen könnte. Dafür war das abschliessende Aufnahmeritual umso schöner. Jeder wurde einzeln in einen Raum gebeten und mit der passenden Ansprache, Hintergrundmusik und dem Applaus aller anwesenden Spieler wurde man herzlichst als „Viper“ aufgenommen.

Unihockea-Arena par excellance

Alle Mitmenschen treten uns sehr zuvorkommend, offen und freundlich in Erscheinung. Besonders sind unsere Vermieter hervor zu heben, welche uns ihr Appartement unterhalb ihrer Wohnung vermieten. Ein Ehepaar, dass sich stets sehr gut um uns kümmert, damit wir uns rundum Zuhause fühlen. Vor unserer WG darf natürlich ein grosser, grüner, im detailgepflegter Garten nicht fehlen, wie gewöhnlich für Växjö. Vielleicht kann man daraus gewisse Rückschlüsse über den „Gartenhandschuh-Kauf“ ziehen, aber wer weiss dies schon?

Unihockey haben wir nebst all dem Erlebten auch schon gespielt. Das Erste was ins Auge sticht, ist die wohl fast perfekte Arena, welche uns hier zur Verfügung gestellt wird. Kein Aufstellen der Banden oder der Toren, ein Hallenboden ohne überflüssige Markierungen, ein extra eingerichteter VIP Bereich mit Verpflegungsstand und Kabinen für die Moderatoren zum kommentieren eines Livespiels. Kein mühsames Herausfahren oder Aufstellen von Sitzplätzen für die Zuschauer, sondern alles nummerierte Sitzplätze und dazu das Highlight: eine grosse Anzeigetafel, bei der das erzielte Tor nochmals in der Wiederholung angeschaut werden kann. Welcher Unihockeybesucher wünschte sich das nicht?

Das sich dazu eine zweite Halle im selben „Stadion“ befindet, welche mit den gleichen Vorzügen nur etwas kleiner ausgestattet ist, wollen wir hier nicht gross erwähnen.

Hotel "Mama"

Happy waren wir auch, als wir unsere Kleider und Taschen erhalten haben und auf allem unsere Nummer abgebildet war. Schon nur die Tatsache, unsere Nummern auch auf dem Trainingsmaterial zu haben, fanden wir genial. Erst später stellte sich wohl auch ein weiterer Grund dafür heraus. Trainingsmaterial kann einfach abgegeben werden und wird vereinsintern gewaschen. Da wir auch all unser Material dort lagern können (gerade Luca ist froh, die stinkende Torhüterausrüstung nicht Zuhause riechen zu müssen) reicht ein kleiner Plastiksack, um ins Training zu gehen.

Nebst all den Eindrücken rund um die Halle gibt es auch spielerische Unterschiede.

Technisch gibt es keinen Spieler, welcher abfällt. Welcome to Sweden! Wenn, dann stechen ein paar Überragende heraus. Dazu kommt, dass unser Team nie Verlieren gelernt hat. Alles geht nur über den Sieg, egal ob Trainings- oder Freundschaftsspiel. Hier haben wir eine Mannschaft, mit einer wahren Winner Mentalität angetroffen. Wir denken, diese brauchen wir auch, wenn wir als so junges Aufsteigerteam in der SSL bestehen wollen. Dazu aber später mehr.

Erster Titel

Nebst einem Plausch Vorbereitungsturnier (oder eben nicht) während dem Teambildings-Weekend in Ängelholm hatten wir ein Testspiel gegen Warberg. Für uns war es zuerst ein normales Testspiel an einem Freitagabend. Wir stellten dann jedoch rasch fest, dass dieses Testspiel nicht mit der Schweiz zu vergleichen ist. Es wurde einander nichts geschenkt, gleich wurde der Tarif durchgegeben, wie gut man seinen Körper im Sommer trainiert hat. Über 300 Zuschauer wollten sich das Spiel nicht entgehen lassen, kein Vergleich zu Schweizer Freundschaftsspielen. Wir wurden im ersten Drittel regelrecht überfahren, konnten das Spiel jedoch resultatmassig ausgeglichen halten. Am Ende setzte es eine 8:6-Niederlage ab. Durch die hohe Intensität gab das Spiel jedoch sehr gute Rückschlüsse, die wir wohl verstanden haben umzusetzen. Zwei Wochen später stand nämlich die Reise nach Helsinki an. Wir nahmen am gut besetzten Powerade Cup teil und trafen dort auf Nokian (8:5 Sieg mit Graf), Happee (11:6 Sieg mit Graf/Meier), SSV (2:6 Niederlage mit Graf) und dann am Sonntag im Final nochmals gegen den SSV (8:7 nach Penalty mit Graf/Meier). Somit konnten wir unseren ersten Pokal mit einem schwedischen Team in die Höhe stemmen. Allerdings war das Spiel ein richtiger Krimi. Bis drei Minuten vor Schluss haben wir noch 6:4 geführt. 31 Sekunden vor Schluss hiess es jedoch plötzlich 6:7 für den SSV und nur 5 Sekunden vor der Sirene konnten wir nochmals ausgleichen. (Typisch Schwedisch, wie wir uns nach dem Spiel sagten).

18. September Fortnox Arena Växjö. Unser Debüt in der SSL gegen Helsingborg, bis dahin zählt nur eines: 100% Viper in allem, was wir tun!