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Schere, Stein, Papier und Briefkasten-Kübel

Von Corin Rüttiman & Sarah Altwegg // Donnerstag, 24. Oktober 2013

Diverse Unterschiede
Seit gut drei Monaten leben wir nun schon auf der Insel Gotland und haben schon einige Spiele hinter uns, leider noch nicht ganz so erfolgreich wie gewollt. Der Unterschied der schwedischen Liga zur unserer Liga in der Schweiz ist doch sehr gross. Das Spiel ist schneller, geradliniger und mit viel mehr Zug in Richtung Tor. Lange Ballstafetten? Fehlanzeige. Sieht man den Weg aufs Tor, so wird dieser genutzt. Auch die Reisen wurden noch nicht kürzer seit unserem letzten Blog. Da war zum Beispiel das Spiel in Ümea gegen IKSU: Zuerst von Visby mit dem Flugzeug nach Stockholm, anschliessend einen Flug weiter nach Ümea und dann noch mit dem Taxi ins Hotel. Die Infrastruktur hier in Schweden begeistert uns jedoch immer wieder aufs Neue, da könnte sich die Schweiz gerne eine Scheibe davon abschneiden. So besitzen einige der Vereine eine eigene Unihockeyhalle, wovon man in der Schweiz nur träumen kann.

Schweizer gucken Schweizer
Jedes Spiel live im Web? Ja dies ist hier in Schweden ebenfalls normal. Jedes Team hat sein eigenes Web-TV, wo man die Spiele Live anschauen kann (natürlich muss man die Kreditkartennummer noch angeben, denn ein Unihockeyspiel der höchsten Liga ist natürlich auch nicht ganz gratis). Geht man in der Schweiz einfach an ein Spiel des Gegners um ihn zu „beobachten“, versammelt man sich hier bei jemandem zu Hause und schaut das Spiel über das Internet. Für uns Schweizer ist das ja schon ganz cool, jedoch noch lange nicht das Highlight. Geht’s denn noch besser? Ja zum Beispiel wird hier auch jede Woche ein Livespiel ausgetragen, was heisst, dass jeweils ein Spiel (Herren oder Frauen) auf dem schwedischen Sportkanal zu sehen ist. Schon komisch, da ist Sarah letzte Saison noch 20 Minuten mit dem Auto nach Winterthur gefahren um Pascal Meier bei einem Playoff Heimspiel zuzuschauen und nun sitzt sie auf dem Sofa in Gotland und schaut sich halt im Fernseher das Spiel Växjö gegen Falun an. Da hat Unihockey halt schon ein grösserer Stellenwert…

Gotland ein „Land“ für sich
Endre IF ist dafür bekannt, dass sie sehr viele ausländische Spielerinnen haben, da die Schwedischen Spielerinnen nicht sonderlich daran interessiert sind von den grösseren Städten und dem Festland auf die Insel (wo ausser in der Sommer Hochsaison nichts los ist) zu ziehen. Zudem heisst es oft, dass Gotland ein wenig für sich ist und nicht vollkommen zu Schweden zählt. So hat zum Beispiel der Sportchef von Endre einen Blogeintrag veröffentlicht, mit dem Titel: „We against Sweden“ oder der Vater einer Mitspielerin hat nach der Bootsfahrt in Richtung Festland angerufen und gefragt: „Seid ihr schon in Schweden angekommen?“.

Ach ja, von wegen Gotland gehöre nicht zu Schweden… Wir dachten schon fast, wir befinden uns in Italien. Seit mehr als zwei Monaten warten wir auf unsere Personalnummer (eine Nummer, welche man in Schweden  benötigt, um grössere Einkaufe, Verträge etc. abzuschliessen). Beim ersten Besuch auf der „Gemeinde“ mussten wir ein Formular ausfüllen mit all unseren Angaben. Gesagt wurde, dass die Personalnummer uns anschliessend innerhalb von höchstens vier Wochen zugestellt werde. Nach vier Wochen hat die „Gemeinde“ jedoch festgestellt, dass die Schweiz nicht zur EU gehört und wir uns deshalb zuerst beim Migrationsamt anmelden müssen. Wie gewünscht haben wir uns dann  sofort beim Migrationsamt angemeldet, um von denen mitgeteilt zu bekommen, dass es gar nicht nötig ist uns anzumelden, da die Schweiz bilaterale Verträge mit der EU hat. Mit dem Beschluss vom Migrationsamt ging es also zurück zur „Gemeinde“, da dieser Beschluss aber beim ersten Mal gefehlt hatte, mussten wir dasselbe Formular nochmals ausfüllen. Natürlich sagte uns die nette Dame am Schalter, dass uns innerhalb von vier Wochen die Personennummer zugestellt werden sollte. Nach vier Wochen hatten wir jedoch noch immer keine Personennummer und so gingen wir wieder zur „Gemeinde“. Diesmal erhielten wir zwar eine andere Antwort, leider aber immer noch keine Personennummer, denn sie teilten uns mit, dass sie unsere Formulare leider verloren haben. Somit haben wir dieses Formular nochmals ausgefüllt und ja, wir warten nochmals vier Wochen... Da können wir nur noch anfügen: Immer locker bleiben! J

Merkwürdiger Absenz-Grund
In der Schweiz ärgert man sich oft über unmögliche Absenzen der Mitspielerinnen. Nachdem wir jedoch den Abwesenheitsgrund einer Spielerin von der 1. Division (NLB) für ein Spiel erfahren haben, dachten wir, die haben hier nicht mehr alle Pferde im Stall. Diese Spielerin hatte doch tatsächlich ein Spiel abgesagt, da sie nach Stockholm reisen wollte um an der Schwedischen Meisterschaft in Schere, Stein, Papier teilzunehmen! Zuerst dachten wir, die verarschen uns jetzt aber wie sich herausstellte war es tatsächlich so. Wir fragen uns jedoch immer noch wie dies genau funktioniert… wie ist der Spielmodus? Wer verliert ist raus? Bei der langen Anreise würde sich dies ja nicht wirklich lohnen. Vielleicht finden wir ja noch raus ob es wenigstens ein gutes Preisgeld für den Gewinner gibt, dann wäre es doch eine Überlegung wert um schon einmal für nächstes Jahr zu üben. J Sachen gibt’s….

Es wird kälter
Die Tage werden kürzer, der Himmel grauer, die Wellen höher und der Wind stärker, man merkt der Herbst ist da und der Winter steht vor der Tür. An den eisigen Wind hier muss man sich schon auch erst gewöhnen, vor allem an der Küste bläst es einem manchmal fast weg. Um für den schwedischen Winter gerüstet zu sein, erhielten wir vom Verein auch eine dicke, winterfeste North Bend Jacke. Bis jetzt kamen wir noch ohne sie aus, aber bei unserem nächsten Bericht werden wir bestimmt eine positive Zeile über dieses wärmende Kleidungsstück schreiben können.

Der Briefabfall
Einem CH-Gast war nicht bekannt, dass die Schweden andere Briefkastentypen haben und dieser Gast benutzte den Briefkasten als „Kübel“. Der Name ist nur der Redaktion bekannt, aber nennen wir diesen Gast mal „Wurst des Tages“. Der Eigentümer des Briefkastens wird sich sicher noch heute darüber freuen.