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Raus aus dem Nischen-Dasein!

Im neusten Blog der E-Hockeyaner berichten die Iron Cats über die schwierige Lage in der Öffentlichekeit des Sports und was man dagegen unternimmt. Von Jan Oehninger // Montag, 09. Dezember 2013

Die Schweiz und Rollstuhl-Sportler, aus Bloggers’ Sicht ein spezielles und heikles Thema. Doch wir wagen uns ran - mit einem kritischen Blick.

Rollstuhlfahrer, die in der Schweiz leben, geben ganz unterschiedliche Statements von sich, wie gut sie in die Gesellschaft, ins soziale Leben, integriert sind. Die einen arbeiten im freien Arbeitsmarkt oder sind Politiker, andere kommen nur selten aus ihrem Heim- oder Pflegealltag heraus und suchen nach Anschluss und Verständnis. 

Auch auf sportlicher Ebene gibt es grosse Unterschiede. Einerseits gibt es Sportarten, die bekannt sind von den Paralympics (die Olympiade der Rollstuhlfahrer; die Paralympics finden jeweils kurz nach den Olympischen Spielen statt) und die mehr und mehr in Fernsehausschnitten oder gar mit einzelnen Live-Beiträgen gezeigt werden. Andererseits sind Sportarten wie das E-Hockey seit Jahren darum bemüht, in der Öffentlichkeit auch nur einen kleinen Teil berühmter zu werden. 

E-Hockey, wie im ersten Blog beschrieben vom Unihockey abstammend, möchte weitere Schritte aus der Nische machen. Raus dem Nischen-Dasein, hin zur Akzeptanz als dynamische und schnelle Sportart. Ein Sport für physisch eingeschränkte Menschen, die in anderen Sportarten keine Chance haben. Für Sportler, die sich zwischen den Fronten bewegen und viel dafür tun, dass sich der Sport weiter verbreitet und neue Teams, neue Spieler dazu kommen. 

In Europa ist der Sport unterschiedlich weit. In Holland, Deutschland, Italien und Finnland gibt es seit Jahren gut funktionierende Ligabetriebe und vor allem in Italien profitiert der Sport bei der Öffentlichkeit von den sozialen Medien. Auch in der Schweiz nutzt man diese Netze rege. Weitere Schritte sind Demo-Spiele an öffentlichen Veranstaltungen, wo auch die Medien zugeschaltet sind. Die Mund-zu-Mund-Propaganda ist eine weitere Hilfe. 

Die Iron Cats ihrerseits tun viel, um den Sport bekannter zu machen und Grenzen abzubauen. Dies mit Schulbesuchen, an welchen die Spieler in die Klassen gehen, den Kinder und Jugendlichen Red und Antwort stehen und dann in gemischten Teams noch ein abschliessendes Turnier spielen, die Kinder in Handrollstühlen, um sie auf dieselbe Ebene zu holen. Die Teilnehmer zeigen sehr rasch keine Angst mehr und der Austausch ist sehr offen. Die Schüler, junge Abbilder der Gesellschaft, legen ihre Hemmungen jeweils ab und sehen uns als Sportler, die ausser dem fahrbaren Untersatz nicht anders funktionieren. 

Und so sollte es je länger je mehr sein. Die Schüler von heute sind jene, die morgen offener mit dem Thema Sport & Behinderung umgehen. Die Erwachsenen können sich eine Scheibe davon abschneiden - zum besseren Umgang mit Sportlern, die eins mit Nachdruck wollen: Ernst genommen werden, raus aus dem Nischen-Dasein!

Jan Oehninger
E-Hockey-Nationalspieler, Leiter Kommunikation Iron Cats Zürich

In dieser mehrteiligen Serie möchten wir unsere sportlich grösste Leidenschaft dem Leser etwas näher bringen. Der Sport ist noch ein kleiner Stern, doch er wächst heran. floorballstar.com hat diese Zusammenarbeit möglich gemacht und wir möchten diese Ebene nun nutzen. Vom Ursprung bis zum heutigen Stand - in dieser Serie lassen wir nichts aus. Schaut wieder rein!