» Drucken

Learning by Doing

Von Michelle Wiki // Montag, 02. Dezember 2013

Das Studium in Uppsala habe ich vor ein paar Wochen beendet, die Universität Uppsala erinnert mich ein bisschen an meine Primarschule. Ich teilte den Vorlesungssaal gerade mal mit 20 anderen Studenten, in Zürich bin ich mir gewohnt auf der Treppe sitzen zu müssen. Hier in Uppsala hingegen muss ich mich nicht um Plätze streiten und ich muss auch nicht das Gefühl haben, der Professor werde mich nicht sehen, so dass ich mich gekonnt aus einer Diskussion heraushalten kann. Falsch gedacht. Unvorbereitet in die Vorlesung zu kommen ist keine zu gute Idee. Studium bedeutete für mich, Selbständigkeit und Gestaltungsspielraum bei der Wochenplanung. Nun habe ich gelernt, dass das wohl eine eigenständige Definition ist. Unihockey und Studium in Uppsala lassen sich nur begrenzt vereinen, denn die Stunden sind obligatorisch. Dies bedeutet, dass eine zweiwöchige Absenz für eine WM nicht geduldet wird, man das Fach also nicht absolvieren kann. Somit bin ich seit einigen Wochen Vollzeitunihockeyspielerin. Langeweile hatte ich bis anhin nur selten und auch diese wenigen Stunden wusste ich mehr oder weniger sinnvoll zu überbrücken.

Immer wieder bin ich erstaunt, warum ich dann das Gefühl vermittle, man müsse sich um mich Sorgen. Oft werde ich gefragt, ob ich denn schon gelernt habe zu kochen, wie ich eigentlich meine Kleider wasche und wie es im Allgemeinen um meine Wohnung steht. Wie aber kann ich kochen lernen, wenn mein Besuch dies immer für mich übernimmt? Kaum sind meine Freundinnen bei mir zu Hause angekommen, sind sie schon in der Küche angelangt, ohne dass ich Zeit hätte zu intervenieren, dass ich ja eigentlich kochen sollte. Da ich ihnen diese Freude aber nicht nehmen möchte und ich in der Küche dann auch nichts verloren habe, verlasse ich den Raum und freue mich auf das Essen, für das ich höchstens die Einkaufstaschen nach Hause getragen habe. Da sich meine Freunde also von mir nicht bekochen lassen, nutze ich eine der eher langweiligen Stunden um mich als Köchin zu beweisen. Auf meine Linsen, welche ich nach langer Suche im ICA endlich gefunden habe bin ich immer noch mächtig Stolz, sodass ich mich gar nicht mehr getraue es noch ein Mal zu versuchen. Es könnte ja beim zweiten Mal schief gehen. Weniger erfolgreich waren meine Pancakes, obwohl es immer hiess, dies sei so einfach. Dieser Meinung bin ich nach wie vor nicht.

Die Bilder unten sagen genug... 

Ja, kochen ist nicht meine Stärke, aber ich darf mich an dieser Stelle ja nicht all zu schlecht machen, Staubsaugen kann ich nämlich wirklich gut. Ich habe sogar herausgefunden, an welcher Stelle in der Wohnung ich den Staubsauger einstecken muss, damit ich alles saugen kann ohne umzustecken. Kleider waschen funktioniert auch prima, ausser dass ich nach neuen, weissen Matchstülpen fragen musste. Die alten kamen grau aus der Waschmaschine, dies ganz zur Freude meiner Teamkolleginnen. Ich weiss jetzt auch, dass man eine ID braucht um ein Packet bei der Post abzuholen. Der liebe Postbote an der Kasse lies sich nicht von mir bekehren.

Weiter habe ich herausgefunden, dass meine Nachbarn die Schuld an unserem eher bescheidenen Verhältnis tragen. Vorbildhaft habe ich ihnen mitgeteilt, dass ich mit ein par Freunden auf meinen Geburtstag anstossen werde, wir aber zirka um 11 Uhr die Wohnung verlassen werden. Den Brief, den ich am gleichen Abend noch in meinem Briefkasten vorfand, wies mich dann charmant darauf hin, dass es nun schon 11 Uhr war: "Well, Congratulations, but it is now 11:03 and we have to get up at 6am..". Freunde werden wir wohl nicht mehr.