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Jugendblog von Yves Mohr

Jugendtrainer Yves Mohr vom HC Rychenberg äussert seine Gedanken zum Jugendwahn im Unihockeysport Von Luca Graf // Mittwoch, 24. September 2014

Jugendwahn

Stöbern im Saisonguide von swiss unihockey ist immer spannend. Einschätzungen der Natitrainer, der Journalisten, Skurriles, Prognosen etc. etc.

In der Aktuellen Ausgabe vermelden die NLA Vereine  in ihren Fanionteams insgesamt 30 Spieler mit U21 Lizenzen (das sind im Schnitt 2.5 pro Verein) in der NLB sind dies sogar 38! ACHTUNDDREISSIG! Das sind 2 komplette Mannschaften (in einer 10er Liga). Entweder sind wir ein Land voller unglaublicher Talente und wir haben eine rosige Zukunft vor uns, oder wir haben in einigen Regionen und Vereinen ein strukturelles Problem.

Es ist ja verständlich, dass man seine besten Junioren fördern möchte und teilweise auch etwas damit prahlen. „Wir, die grossen Juniorenförderer, wir haben 9 zu junge Spieler in unserem Kader“ – sagt ja schon fast „unser Management war nicht fähig genügend Spieler zu scouten“. Teilweise habe ich das Gefühl, die Vereine liefern sich ein Wettrennen darum, wer den jüngsten Spieler in seinem Kader hat. Ja es gibt talentierte junge Spieler in der Schweiz. Aber sind es wirklich so viele, dass wir fast vier komplette Mannschaften stellen könnten in den beiden obersten Ligen der Schweiz? Leidet darunter nicht die Ausbildung der eigenen Junioren im Verein?

In einigen Regionen und Vereinen ist dies natürlich auch ein strukturelles Problem. Oder wie kann man es sich erklären, das ein Team aus sieben Junioren und drei bis sechs Ausländer zusammengestellt wird?

Das verfrühte „befördern“ von Junioren (auf allen Stufen) birgt immer Gefahren mit sich. Auf der einen Seite ist es toll für den Spieler, er darf sich auf höherem Level beweisen und dementsprechend Fortschritte erzielen. Diese Spieler sollten jedoch so eingebettet werden können, dass es dem Spieler auch etwas nützt. Wenn er ein bis zwei Saisons als Deko auf der Bank sitz, bräuchte es ihn gar nicht in dieser Position. Ein Junior welcher in die erste Mannschaft berufen wird, muss Akzente setzen können. Ansonsten belässt man Ihn besser zu Ausbildungszecken im Junioren Team. Denn es gibt in jeder Stufe neue Dinge zu lernen. Aber wenn ganze Stufen übersprungen werden, wo erlerne ich dann das, was ich in der übersprungen Stufe gelernt haben sollte.

In meiner Karriere hab ich viel talentierte Spieler gesehen. Der Grossteil der so genannten Talente, welchen den Weg nach oben praktisch geschenkt wird, verschwinden so schnell wie sie gekommen sind. Aber solche, die sich auch in der Ausbildung Zeit lassen, werden auch später mehr Biss und Ausdauer haben. Macht es nicht mehr Sinn die Spieler kompletter auszubilden und sie dann dem Fanion Team abzuliefern? Den auch eine stärkere Junioren Liga führt zu besseren Spielern und zwar in der Breite und nicht nur in der Spitze!