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Jugendblog von Yves Mohr

Jugendtrainer Yves Mohr vom HC Rychenberg äussert seine Gedanken zu verschiedenen Themen der Jugendförderung Von Yves Mohr // Donnerstag, 13. November 2014

Warum wir nicht vorwärts kommen

Auf der Welt ist nichts Umsonst. Vor allem der Erfolg ist nicht einfach so zu haben. Jeder der schon etwas gewonnen hat, weiss das. Iouri Podladtchikov investierte in seinen Olympiasieg fast vier Jahre Training und gegen eine halbe Million Franken um seinen Traum wahr werden zu lassen. Koreanische Curler spielen jeweils vor den Olympischen Spielen zwei Jahre als Vollprofis in der Kanadischen Meisterschaft mit. Marcel Fischer (Fechter) unterbrach sein Studium für fast zwei Jahre um an den Sommerspielen in Athen teilnehmen zu können (er holte die Goldmedaille). Es gibt hier noch unzählige weitere Beispiele.

Man sagt, um an der Weltspitze mitmachen zu können, braucht es 10‘000 Stunden Training. Das dies so ist, zeigt im Moment der Amerikaner Dan McLaughlin, der 2010 seinen Job gekündigt hat um Golfprofi zu werden. Bis dahin hatte er erst eine einzige Partie Golf gespielt. Er war damals 31 Jahre alt. Er steht aktuell bei 5624 h und hat zur Zeit ein Handicap von 2,6. Er rechnet damit, 2018 sein Ziel erreicht zu haben und auf der Profitour mitspielen zu können.

10‘000. Das sieht nicht nur nach viel aus, sondern ist wirklich richtig viel. Wenn ich zwei Stunden pro Woche und 46 Wochen im Jahr (wegen Ferien, kleinen Wehwehchen, Krankheiten) trainiere, so benötige ich knapp 109 Jahre um auf die 10‘000 Stunden zu kommen. Jetzt beginnen wir ja nicht bei der Geburt mit Training sondern irgendwo im Alter von sechs (jaja die Kunsturner beginnen da mit dem Leistungstraining. Meine Nichte trainierte im Alter von sieben Jahren bereits über zehn Stunden pro Woche) und zehn Jahren. Wollen wir nun noch in einem leistungsfähigen Alter an die Weltspitze kommen, sprich wenn wir ca. 22 sind, so haben wir 14 Jahre Zeit. Dies ist nun eine einfache Rechnung und wir kommen auf 15 Trainingsstunden pro Woche. Im Durchschnitt!

So und jetzt spielen wir Unihockey und wollen nicht an die Weltspitze, sondern nur in die NLA. Da nehmen wir grosszügig mal nur die Hälfte der Stunden und wir beginnen nicht mit acht sondern mit zehn Jahren und sind dann im Altern von 21 in der höchsten Liga angekommen. Nur schon dafür benötigen wir durchschnittlich zehn Trainingsstunden pro Woche.

Kommen wir nun zur Situation in der Schweiz. Ein normales U21 A Team hat eine wöchentliche Belastung von acht bis zehn angebotenen Stunden (ich rechne bewusst die Spiele mit ein, denn diese dienen ja im Nachwuchs durchaus auch als Ausbildung). Das macht dann in der Endabrechnung 460 Stunden, grob geschätzt. Da der gemeine Junior jetzt aber nur zu 70 bis 80 % der Trainings besucht, kommt er auf etwas mehr als 350 Ausbildungsstunden.

Wir können nun das Ganze dem entsprechend anpassen bei 345 Ausbildungsstunden pro Jahr, während der ganzen Zeit in der U-Stufe (U14 bis U21) sind dies lediglich 3375 h und dies ist einen grobe Schätzung und würde heissen ab der Stufe U14 würden schon acht Stunden pro Woche trainiert.

Dies sind Rechenbeispiele und leider im Moment reine Utopie. Es wird noch wesentlich weniger trainiert und wir können froh sein, wenn ein Junior im Unihockey beim Übertritt in die NLA 3000 Ausbildungsstunden mit bringt.

Um unsere Sportart weiter zu bringen braucht es noch einige Änderungen. Es braucht Investitionen in Form von Geld und Zeit. Angefangen beim Trainingsumfang, über die Trainingsqualität und auch in der Einstellung zum Sport und einem klaren Commitment zum Leistungssport ohne Wenn und Aber. Oder wir lassen das ganz einfach sein und bleiben beim Plauschsport!