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Elch-Blog

"Nur noch Stunden bis Göteborg"Florian Bolligers Gedanken kurz vor der Abreise an seine erste WM Von Florian Bolliger // Donnerstag, 04. Dezember 2014

Diesen Freitagvormittag steigt die Schweizer Nationalmannschaft in den Flieger nach Göteborg um dort in den kommenden Tagen die Gruppenspiele bestmöglich zu nutzen um dann in den Finalspielen bereit für den grossen Coup zu sein. Als ich vor zwei Jahren auf der Tribüne im Hallenstadion die Finalspiele geschaut habe, hätte ich nie gedacht, dass ich nun selber dabei bin. Ich steige nun nicht nur in denselben Flieger ein, sondern ich wurde während den vergangenen 22 Monaten zu einem richtigen Teammitglied. Die Nationalmannschaft wurde wie ein zweites zu Hause und wir fahren mit einem unglaublichen Teamgeist nach Schweden, um unsere gemeinsamen Träume wahr werden zu lassen.

Von Petteri Nykky wurde ich im Februar 2013 völlig unerwartet als Verteidiger nach Yverdon aufgeboten. Mit seinen Ansprachen erreichte er mich sofort. Ich trainierte von nun an bewusster und häufiger. Zu klein waren jedoch meine Fortschritte und so habe ich mich auf die Suche nach der Möglichkeit in Schweden Unihockey zu spielen und zu leben gemacht. Ich wurde mit offenen Armen bei KAIS Mora empfangen und ich konnte trotz hohem Niveau der Mitspieler und noch höherem Niveau der meisten Gegner mit viel Vertrauen und Einsatzzeit rechnen. Ich sah darin meine grösste Chance diese WM-Kampagne miterleben zu können und auch nach dem letzten Kaderschnitt noch dabei zu sein.

In Mora konnte ich zwei Mal täglich trainieren und in den Trainings viel von meinen Mitspielern lernen. Technisch sind alle unheimlich gut und auch die kleinsten Mitspieler hatten gelernt, wie sie ihren Köper einsetzen müssen um den Ball zu behaupten. Da mein grosses Ziel die WM war und ist, waren alle Trainings und auch Meisterschaftsspiele hauptsächlich Mittel zum Zweck: Ich musste meine Leistung stetig verbessern um dann Anfangs Dezember bereit zu sein. So kam es nicht selten vor, dass ich auch am Tag vor einem Meisterschaftsspiel noch 90 Minuten im Kraftraum war und dazu ein wenig mit dem Ball hantierte. Manchmal resultierte dadurch ein leichter Muskelkater am „Gameday“.

In den ersten zehn Spielen lernte ich auf der Flügelposition den Ball mit wenig Raum und Zeit in den eigenen Reihen zu halten und wenn möglich sogar Tore zu schiessen. Dies hat mir am EFT in Hämeenlinna, Finnland sehr geholfen und ich spürte den erhofften Fortschritt in meinem Spiel sofort. Als dann das definitive Aufgebot öffentlich wurde, setzte mich Lillis (Spitzname von Peter Wallin; Headcoach KAIS Mora) nochmals in der Verteidigung ein und ich konnte durch den Sieg nach Verlängerung gegen Mullsjö mit einem super Gefühl die Heimreise antreten.

Leider entzündete sich mein rechtes Ohr bei meiner Ankunft. Ich wollte aber unbedingt nach Belek ins Vorbereitungscamp und so verbrachte ich dick eingepackt und mit Antibiotika relativ schöne Tage am Meer. Einen ersten Test mit dem Teamtraining beim UHC Uster haben mein Körper und mein Ohr gut überstanden und nun freue ich mich mit den 19 Teamkollegen und mit unheimlichem Stolz nach Göteborg zu fahren und alle rot-weiss-schlagenden Herzen glücklich zu machen.

Bild: Jérémie Luke Dubois