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Elch-Blog von Florian Bolliger

Eine lehrreiche Saison geht zu Ende Von Florian Bolliger // Freitag, 06. März 2015

In gut einer Woche sitze ich wohl zum letzten Mal im 15:50 Uhr SWISS Flieger von Stockholm nach Zürich. Dieser wird wohl wie gewohnt Verspätung haben und mein Taxidienst am Flughafen Zürich muss einmal mehr flexibel sein und ein gutes Timing haben. Jedoch vielen Dank, dass es bis jetzt immer prima geklappt hat und wohl auch ein letztes Mal klappen wird.

In der Schweiz erwartet mich dann mein langersehntes Praktikum, welches ich in Schweden nicht finden konnte. Ohne Job konnte ich mich aber voll aufs Unihockey konzentrieren und so grosse Fortschritte erzielen. Das abwartende und kontrollierende schwedische Unihockeyspiel gegen technisch starke Spieler hat mir sicherlich viel gelehrt. Das Spiel kann zum Teil fast einschläfernd sein, und nur Sekundenbruchteile später läuft der Ball über mehrere Positionen blitzschnell bis in den Slot und man muss total bereit sein. Ich bevorzuge jedoch das risikoreichere schweizer Spiel, das ein bisschen mehr hin und her geht und so auch ein paar kleine Fehler mehr erlaubt. Auch habe ich die lautstarken und emotionaleren Fans aus der Schweiz vermisst. Auf der anderen Seite bin ich immer noch beeindruckt von den riesigen Arenen mit Rundum-Bestuhlung und Gerflor-Böden. Auch die Möglichkeit zu jeder Zeit in der Halle trainieren zu können ist sehr speziell und in der Schweiz wohl nirgends möglich.

Es war aber nicht ganz Alles so gelaufen, wie ich mir das gewünscht habe. Meine Bänderverletzung über Weihnachten war sehr ärgerlich und unnötig. Auch hat unser Coach den ganzen Sommer lang von einem kommenden Playbook gesprochen, dieses ist dann aber mit knappen drei Seiten äusserst spärlich ausgefallen. So fehlten mir und dem Team die taktischen Eckpfeiler und eine Spielanalyse vom eigenen respektive vom gegnerischen Team haben wir auch nur tröpfchenweise erhalten. Diese Umstände gepaart mit zum Teil unglücklichen Niederlagen führten uns in den Tabellenkeller (Jumbon=der Tabellenletzte, sehr häufig gelesenes Wort in den Spielvorschauen) und schlussendlich in den direkten Abstieg. So verkommt der Schluss der Saison zur Farce und bei Transferschluss am 31. Januar haben wir noch beinahe 4 Spieler verloren. Nur Max Wahlgren ging letztlich. Modus-bedingt geht meine Saison also viel früher als gewohnt zu Ende. Nächste Saison soll definitiv um einiges länger andauern!

Das Highlight neben dem Unihockey steht soeben vor der Tür. Zum einen findet die Ski-WM in Falun statt, wo wir lautstark Dario Cologna und die anderen Schweizer anfeuerten. Zum anderen ist ganz Mora auf den Beinen und die Bevölkerung hat sich verdoppelt, wenn nicht verdreifacht. Der Grund: Vasaloppet, ein Langlaufrennen über 90km und verschiedene kürzere Frauen-, Kinder- und Amateurrennen in den Tagen davor. Ein riesiges Messezelt (grösste Messe in Nordeuropa) wurde aufgestellt und eine der drei Hauptstrassen wurde komplett gesperrt und in eine vierspurige Langlaufbahn verwandelt. Der ganze Klub leistet unzählige Arbeitsstunden und wir beiden Schweizer werden auch an vorderster Front bei der Startnummernausgabe mit Kundenkontakt eingesetzt, zum Glück ist jeder 100. ein Deutscher.

 

Mein erstes Schwedenabenteuer geht hier zu Ende. Wann fängt deines an? Ich kann es dir nur ans Herz legen, diesen Schritt auch zu wagen.